Schiedsrichter

Der 23. Mann auf dem Platz

Eine ordnende Hand muss immer dabei sein, es ist der Schiedsrichter (SR) oder die Schiedsrichterin (SR/-in). Das Regelwerk des Fußballs muss seine Anwendung finden. Häufig schwer umzusetzen und nicht immer für Spieler oder Zuschauer, weil meist nicht regelkundig, nachvollziehbar. Entscheidungen müssen spontan gefällt werden, manchmal sind sie umstritten, doch jeder Mensch kann sich irren. SR/-innen sind halt auch nur Menschen.

Schiri’s werden regelmäßig geschult

Auf den vom Fußballkreis Dortmund eingerichteten “Belehrungsabenden”, wird den Schiedsrichtern das notwendige Wissen und Rüstzeug vermittelt. Diese Abende finden regelmäßig statt. Der/die Schiedsrichter/-in welche/r diesem Abend unentschuldigt fern bleibt, erhält eine Geldstrafe. Besondere Vorkommnisse werden aufgearbeitet und exemplarische Spielverstöße beurteilt.

Vereine stellen Sollzahlen

Zur Durchführung eines ordnungsgemäßen Spielbetriebes hat jeder Fußballverein eine bestimmte Anzahl von Schiedsrichtern zu stellen. Ein so bezeichneter “3-Stufen-Plan” bestimmt das “Schiedsrichter-Soll”.
Der vom Fußballverband vorgegebene Plan, verpflichtet die Vereine, für jede am Pflichtspielbetrieb des Kreises und des Verbandes im Seniorenbereich teilnehmende Mannschaft, sowie für die A- und B-Jugend je einen Schiedsrichter zu stellen. Ab Landesliga sind im Seniorenbereich 3 SR/-innen zu stellen.
Das heißt für den BV Westfalia derzeit:
Die Gestellung von 8 Schiedsrichtern.
Tatsächlich stellt der Verein aktuell die folgenden zehn Schiedsrichter/-in:
Jacqueline Schmidt (Schiri-Obfrau), Alexander Berchem, Dustin Höse, Andre Hoffmann, Dennis Joseph, Armin Ludwig, Isa Majdi, Ilyas Özdemir, Kevin Saatkamp und Wolfgang Schott.
Wir haben die vorgegebene Sollzahl also überschritten. Das war nicht immer der Fall. So fehlten dem Verein z. B. vor 10 Jahren zwei Schiedsrichter zur Sollerfüllung. So etwas kann schwerwiegende Folgen haben. Von Geldstrafen bis hin zum Zwangsabstieg.
An dieser Stelle gebührt der besondere DANK unseren elf Lizenzinhabern, die sich Woche für Woche, meist Sonntags, bereitstellen um “ihrem” Sport zu dienen. Nur sehr selten können sie die Spiele des eigenen Vereins sehen. Für sie gibt es nie Heimspiele sondern jedes Spiel ist ein Auswärtsspiel. Für die Aktivitäten des Vereins, z. B. bei den Himmelfahrts-Juxturnieren oder den Freizeit- und Betriebsfußballer Turnieren, stellen sie sich in die Dienste des Vereins und tragen so wesentlich zum guten Gelingen bei. Wie unser Schiedsrichterobmann, Andreas Lehmkuhl, das Schiedsrichter- und Vereinsleben sieht, kann man dem nachfolgenden Artikel entnehmen.

Vereinsleben für Schiedsrichter?!

Vor einiger Zeit wurde ich nach dem Verein und die Vereinsarbeit von „Westfalia Wickede“ gefragt, schließlich pfeife ich als Schiedsrichter (SR) für diesen Verein.
Im ersten Moment wollte ich sagen, dass ich dies nicht gut beurteilen kann. Ich bin aus beruflichen Gründen viel umgezogen und erst vor ein paar Jahren in Wickede gelandet. Ich kenne den Verein daher nur als SR und habe nur relativ selten Kontakt zum Verein.
Andere SR haben aus diversen Gründen den Verein gewechselt. Viele SR, auch in unserem Verein, sind von klein auf Mitglied und spielten häufig in den Jugendmannschaften, ehe sie zum SR ausgebildet wurden.

Schiedsrichter an Sonntagen immer auf fremden Plätzen

Die Erfahrungen der SR mit den Vereinen, für die sie pfeifen, ist also sehr unterschiedlich. Eins ist aber allen SR gemeinsam. Wenn sich der Verein zum Wochenhöhepunkt -sprich Meisterschaftsspiel- trifft, ist der SR im Regelfall zu einer Spielleitung und auf anderen Sportplätzen eingeteilt. Alleine deshalb ist es sowohl für den Verein, als auch für den SR nicht einfach, ein regelmäßiges Vereinsgefühl miteinander zu erleben.

Westfalia Wickede, ein besonderer Verein

Für mich ist “Westfalia Wickede“ ein besonderer Verein. Hier werden die SR nicht allein gelassen oder mit „Sonderzuwendungen“ abgespeist. Regelmäßige Treffen und die Einbindung in Veranstaltungen (Vatertagsturnier u.a.) werden konsequent gefördert und gefordert. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Sie erfordern Arbeit und Einsatz vom Vorstand und auf Seiten der SR. Doch der Aufwand lohnt sich.
Der SR erhält Anerkennung und Aufmerksamkeit, die ihm durchaus nicht immer entgegen gebracht wird. Kontakte werden geknüpft und eine Bindung zum Verein entsteht. Man ist nicht allein und hat konkrete Ansprechpartner für alle Belange. Der Verein bekommt Unterstützung und Möglichkeiten, z.B. die Ausrichtung von Hobby-Turnieren mit „echten SR“ durchzuführen.

Schiedsrichter vertreten den Verein auf fremden Plätzen

Der BV Westfalia Wickede wird ordentlich auf fremden Plätzen in und um Dortmund vertreten. Dies führt zu einem positiven Gesamtbild. Auch daraus resultieren neue Spieler und neue SR. Dies bewahrheitete sich im 100. Jahr der Vereinsgeschichte als wir zwei neue SR/-innen begrüßen konnten. „Westfalia Wickede“ hat jetzt 11 SR!
Zwei SR, die schon Jahrzehnte im Verein tätig sind und die bei allen Veranstaltungen mit anpacken, fünf weitere junge SR, die überwiegend noch im Jugendbereich pfeifen, unsere SR´in und drei weitere, erfahrene SR (zwei mit Bezirksliga-Einsätzen). Alle sind motiviert und nach Möglichkeit bei allen Veranstaltungen dabei. Dass ist nicht immer möglich, allein schon wegen der Schichtarbeit mancher. So kommt es also vor, dass ein SR, der seit Jahren für den Verein pfeift, von vielen Vereinsmitgliedern gar nicht erkannt wird. Umgekehrt kennt der SR die meisten Mitglieder und auch teilweise die Mannschaften nicht. Dies zu ändern ist das Bestreben vom Vorstand und auch den SR´n unseres Vereins.

Warum tut ein Schiri sich das nur an?

Eine andere Frage, die häufig einem SR gestellt wird, lautet: „Warum tust Du dir das an?“ Eine Antwort darauf zu finden ist schwierig. Negative Aspekte kennen die Meisten zu Genüge. Fast alle Entscheidungen werden von beiden Mannschaften unterschiedlich bewertet und manchmal entsprechend lautstark kommentiert. Dies führt leider sogar zu Handgreiflichkeiten und Spielabbrüchen; im schlimmsten Fall sogar zu Verletzungen und Strafanzeigen.
Dazu kommen üble Sprüche von den Zuschauern, die sowieso alles besser gesehen haben und die Regeln auswendig können. Als SR steht man Woche für Woche bei jedem Wetter auf dem Platz (klar, die Spieler auch) und bekommt dafür in den unteren Klassen nur eine geringe Aufwandsentschädigung. Zusätzlich besteht Teilnahmepflicht an Weiterbildungsveranstaltungen und Prüfungen.
Ich kann hier nur meine persönlichen, positiven Bewertungen auflisten; es mag aber bei anderen SR´n durchaus weitere Motive geben.
Durch die verantwortungsvolle Aufgabe gewinnt man an Persönlichkeit und Charakter. Man lernt, Entscheidungen zu treffen und zu verantworten. Neben der Stress abbauenden Bewegung erfährt man Toleranz und Verständnis, wenn man auch mal zugibt, nicht alles richtig entscheiden zu können (wir haben eben keine Zeitlupe aus drei Perspektiven). Achtung und Respekt von Spielern und Verantwortlichen ist mir wesentlich häufiger als die beschriebenen, negativen Aspekte entgegengebracht worden. Selbst von Zuschauern wird man ab und zu gelobt. Es ist auch ein gutes Gefühl zu wissen, dass ein Spiel den Regeln entsprechend, fair und gerecht abgelaufen ist.
Eine faire Behandlung und etwas Rücksicht erbitte ich deshalb von allen Vereinsmitgliedern, ob Zuschauer oder Spieler, gegenüber meinen SR-Kollegen.
In diesem Sinne wünsche ich meinem Verein, dem Westfalia Wickede, für die nächsten 100 Jahre alles erdenklich Gute, viel Erfolg und weiterhin ein so intensives Vereinsleben wie in den letzten Jahren, die ich mit erleben durfte.