Der Frauenfußball beim BV Westfalia und im Allgemeinen
Der 1. Frauenfußballverein wurde Anfang 1930 in Frankfurt/Main gegründet. Frau Specht berichtet im Jahr 2000 als 89jährige, dass zu damaligen Zeiten die Damen den Fußball auf einer Frankfurter Wiese betrieben hätten. Man hat im eigenen Verein, in dem 32 aktive Fußballerinnen organisiert waren, gegeneinander Fußball gespielt. Weitere Frauenfußballvereine gab es damals nicht. Nach starken Befeindungen in der Presse und Steinbewurf durch einige Männer, hat sich der Verein dann Ende 1931 wieder aufgelöst. Für lange Zeit sollte es auch der erste und einzige Frauenfußballverein bleiben.
In den Jahren nach 1955 wuchs bundesweit das Interesse am Frauenfußball. Wegen des Widerstandes im DFB wurde in den 60er Jahren der Gedanke zur Gründung eines eigenen Damenfußballverbandes immer lauter. Bei der Fußballweltmeisterschaft der Damen, vom 07. – 15. Juli 1970 in Italien, wurde die Bundesrepublik Deutschland von den Damen des SC Bad Neuenahr, inoffiziell, vertreten. Am 30. Oktober 1970 wurde dann der Widerstand des DFB gebrochen. Demnach ist der Damenfußball seit dem 31. Oktober 1970 offiziell im DFB vertreten. Einige Zeit danach gab es dann auch in Wickede die erste Damenfußballmannschaft bei Rot-Weiß Wickede, einem Fußballverein der sich mittlerweile aufgelöst hat.
Erste Damenmannschaft beim BVW
Nachdem sich die Damen bei den Rot-Weißen aus Wickede nicht mehr genügend betreut fühlten, wechselten sie kurzerhand im Frühjahr 1977 zur Westfalia und wurde hier von Werner Haak trainiert, der die Betreuung schon ein Jahr zuvor übernommen hatte ohne Mitglied bei den Rot-Weißen zu sein. Die Betreuung beim BV Westfalia übernahm seine Ehefrau Ilse Haak. Selbstverständlich wollte man in die nächste Saison fit und neu eingekleidet starten. Der Ehrgeiz war groß. Mit Trainingsfleiß und einigen Freundschaftsspielen bereiteten sich die Spielerinnen auf die neue Saison vor. Ein vom Verein für die Ausstattung bereitgestelltes Darlehn, konnte von den Damen, die sich selbst finanzierten, pünktlich zurückgezahlt werden. Die 1. Meisterschaftsserie 1977/78 wurde mit folgenden Spielerinnen gestartet: Sabine Schumacher, Elvira Schröter, Petra Haak, Martina Haak, Agnes Hanusa, Hannelore Zylla, Heidi Schoknecht, Britta Schoknecht, Christiane Röwer, Gaby Brentführer, Marion Steipert, Birgit Gogolin, Gaby Herrmann, Petra Erdmann, Gudrun Fissner, Beate Pischker, Anita Dunaiski und Gundula Laban.
Immer wieder starke Fluktuationen
In den darauf folgenden Jahren gab es starke Fluktuationen. Da sich in immer mehr Vereinen Damenmannschaften bildeten, wechselten einige der unsrigen zu Vereinen in ihrer Wohnnähe. Andere hörten aus beruflichen Gründen oder Schwangerschaft auf aktiv Fußball zu spielen. Doch es stießen auch immer wieder neue fußballbegeisterte Frauen zur Mannschaft. Zu ihnen zählten u.a.: Petra Schubert, Ute Pich, Daniela Schluff, Kerstin Podszus, Cornelia Köchling, Claudia v. Czerlitzki, Andrea Erdmann und Silvia Hacheney. In der Kreisliga wurde erfolgreich (2. und 3. Platz) Fußball gespielt, doch zum Aufstieg in die Bezirksliga hatte es damals nicht gereicht.
1979 starteten die Damen zu einem Trainingslager nach Hage-Berum (Nordsee) um die Kameradschaft zu festigen und noch besser vorbereitet in die neue Saison zu starten. Unter ihnen waren: Hannelore Lutzmann, Gaby Herrmann, Christiane Röwer, Carola Dreier, Heidi Schoknecht, Petra Erdmann, Martina Haak, Sabine Schumacher, Elvira Fischer, Agnes Gutt, Ute Pich, Beate Haak, Britta Schoknecht, Petra Muck und Petra Schubert.
1981 nahm die Mannschaft an einem internationalen Turnier in Frankreich, beim U.S.M. Olivet (b. Paris), teil. Es präsentierten sich 16 Mannschaften aus: Frankreich, Spanien, Belgien, Holland, Schweiz und der BRD. Unsere Damen errangen immerhin den 6. Platz. Viele Aktivitäten und Auswärtsspiele der Damen konnten nur mit Unterstützung der Eltern realisiert werden. Der Kleinbus, welcher der Mannschaft öfter von Herrn Röwer zur Verfügung gestellt wurde, hat oft wichtige Dienste geleistet.
Gewürdigt werden muss an dieser Stelle auch der Sportkamerad Dieter Paul, der sich ständig um die finanziellen Belange, bis ins Detail kümmerte.
Mädchenmannschaft wird Kreismeister und Pokalsieger
Werner Haak gründete 1979 eine Mädchenmannschaft, um die notwendigen Ergänzungen an Spielerinnen aus den eigenen Reihen sicherzustellen. Wie erfolgreich die Mädchenmannschaft unter der Trainerschaft von Werner Haak war, sei hier an wenigen Beispielen verdeutlicht: Im Spieljahr 1985/86 wurden die Mädchen Kreismeister. Die Kraft reichte noch aus um 14 Tage später, mit einem 4:2 über die Mädchen des SC Husen-Kurl, als Kreispokalsieger den Pokal nach Wickede zu tragen. Beim Spiel um die Westfalenmeisterschaft, im gleichen Jahr, schieden die Mädchen gegen den Kreismeister des Münsterlandes dann unglücklich (0:1) aus. Zu dieser erfolgreichen “Truppe” zählten: Tanja Süper, Tanja Ide, Anja Braun, Nicole Wienhold, Anita und Nicole Niemann, Claudia Bernhardt, Sandra Marquardt, Cornelia Kalinowski, Simone Eitzert, Andrea Wiehert, Manuela May, Monika Hetzel und Alexandra Gollan.
Der Doppelbelastung, Damen- und Mädchenmannschaft, konnte Werner Haag nicht lange stand halten. In den Jahren von 1980 – 1985 wurden die Damen dann von folgenden Trainern trainiert: Willi Dreier, Willi Pasbach, Manfred Schubert, Ulrich Lutzmann, Ralf Lippe und Manfred Rösner.
Damenmannschaft im ZDF
Solche Vereine wie der Königsbonner SV, SG Lütgendortmund und SC Husen-Kurl warben leistungsstarke Damen ab und schwächten die Wickeder Damenmannschaft in erheblichem Maße. Selbst punktuelle Ergänzungen aus dem eigenen Nachwuchs, wie mit Cornelia Kratz, Susanne Staude, Christiane Braun, Iris Prim, Anja Conrad und Simone Herrmann konnten die “Löcher” nicht stopfen.
Michael Palme vom ZDF, drehte 1984 einen Film über den Damenfußball. Bei dieser Gelegenheit drehte er auch Szenen von der Damenmannschaft des BVW und beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit unserer Torfrau, Ulrike Hübenthal, die von Schalke 04, als echter Zugewinn, zu uns gestoßen war.
Erste Auflösung der Damenmannschaft
Die Gegebenheiten im Pappelstadion wurden immer schlechter. die meisten Spiele fanden auf dem Platz am Dollersweg statt. Da die Senioren der Herrenabteilung Vorrang hatten, musste so manches Spiel der Damen ausfallen und die Punkte gingen kampflos an den Gegner. Aus diesen Gründen löste sich leider 1985 die Damenabteilung beim BVW auf.
Die Mädchen fanden nun im eigenen Verein kein weiterkommen. Mit 5 Spielerinnen, Tanja Süper, Nicole Wienhold, Sandra Szeffs, Anita Niemann und Sandra Marquardt, in der Dortmunder Mädchen Kreisauswahl, stand der BV Westfalia gut da. Diejenigen, die weiter spielen wollten, mussten zu anderen Vereinen wechseln. Die ein oder andere werden wir in der späteren Berichterstattung noch wiederfinden.
Frauenfußball entsteht neu
Im Sommer 1991 entstand, dann nach einem Spiel “Mütter gegen Kinder”, die Idee, wieder eine Damenfußballmannschaft ins Leben zu rufen. Es existierte schon wieder eine Mädchenmannschaft. Für die ab 16jährigen gab es somit auch wieder eine Perspektive beim BVW. Die Idee wurde anfänglich mit einem wöchentlichen Training und dem ein oder anderem Freundschaftsspiel umgesetzt.
Ingo Szperna war Mitinitiator und Betreuer dieser, zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte gegründeten Damenfußballmannschaft. Es waren Marcus Boeven, Thilo Poppke und Jörg Schilling die auf der Grundlage ihrer fußballerischen Erfahrung bemüht waren, einige Grundlagen fußballerischen Könnens an die Damen zu vermitteln. Die Saison 1992/93 war der Start der Damen in das 1. Meisterschaftsjahr der Dortmunder Kreisliga. Zu dieser Mannschaft zählten u.a. die Spielerinnen: Ute Heimbrodt, Cornelia Holleczek, Anni Niehaus, Heidi Szperna, Melanie Niehaus, Marianne Oumard, Martina Poppke und Mechthild Kirch. Sie wurden im laufe der Zeit ergänzt, durch die herausgewachsenen Mädchenspielerinnen: Jana Krontal, Viktoria Yuskenaite, Silvia Halberscheid, Yasmin Dökenel, Tanja Boeven, Rita Kundrus, Silvana Holleczek, Stefanie Vogedes, Sandra Claas, Doreen Felber und Vanessa Kunz. Im Jahre 1994 stießen dann auch wieder die ehemaligen Mädchenspielerinnen, Anita und Nicole Niemann zur Damenmannschaft.
Damen kratzen an Bezirksliga
Mit wechselndem Erfolg wurde in der Kreisliga Fußball gespielt. Nach beständiger Aufbauarbeit durch die Trainer Marcus Boeven und Martin (“Bubi”) Scholz errang man dann im Meisterschaftsjahr 1996/97, punktgleich mit den Damen vom SuS Lünern, die Meisterschaft. Der Aufstieg in die Bezirksliga war aber nur einer Mannschaft vergönnt. So musste ein Entscheidungsspiel auf “neutralem” Platz her. Der Platz des Kamener SC war aber für die nicht rasengewohnten Damen der Westfalia doch als nicht so “neutral” zu werten. Die zu Hause auf Rasen spielenden Damen des SuS Lünern gewannen dann auch folgerichtig mit 0:3. Dieses Spiel hatte wohl die größte Zuschauerkulisse in der bisherigen Geschichte des Damenfußballs beim BVW.
Thilo Poppke wird Aufstiegstrainer
Marcus Boeven wollte sich mehr auf sein Fußballspielen in der 1. Mannschaft konzentrieren und Thilo Poppke übernahm ab der Serie 1997/98 das Damentraineramt. In Kontinuität zur bisher geleisteten Trainerarbeit konnte Thilo Poppke die Damenmannschaft des BV Westfalia zum Bezirksligaaufsteiger 1997/98 formen. Die Damen und ein großer Teil des Vereins feierten den Aufstieg ausgiebig.
Zwischenzeitlich wurde die Mädchenmannschaft aus Mangel an Betreuung abgemeldet. Damit wurde den Damen der eigene Unterbau entzogen. Es wurde die Ergänzung durch Spielerinnen von anderen Vereinen notwendig. So sind im Laufe der letzten Jahre Dorothea Seidel, Sandra Marquardt, Jenny Hermann (alle SG Massen), Silke Paschedag, , Monika Stellmacher (beide SuS Oberaden), Alexandra (“Maxi”) Kuhn, Daniela Schluff (beide SG Lütgendortmund), Nicole Berger (RW Obereving), Mareike Kirch (SV Brackel 06) und Michaela Gebhardt (FV Schamhorst) zur Damenmannschaft gestoßen.
Nicht nur dass sie sich beim BVW heimisch fühlten, auf den kompletten Kader des Damenbereiches konnte sich der Verein immer verlassen.
Mutter Marquardt sorgt für „Kohle“
Im Jahr 2000 gehörten zur Damenmannschaft: Thilo Poppke (Trainer), Jürgen Marquardt (Betreuer), Martina Poppke, Daniela Schluff, Silke Paschedag, Sandra Marquardt, Stephanie Vogedes, Alexandra Kuhn, Jenny Hermann, Tanja Hager, Nicole Niemann, Anita Niemann. Dorothea Seidel. Monika Stellmacher. Michaela Gebhardt. Mareike Kirch und Jasmine Boeven.
Unbedingte Erwähnung muss noch das Engagement der Spielerin Mutter Marquardt finden. Immer und zu allen Spielen hatte sie die Sammeldose dabei um zur Deckung der Reisekosten zu sammeln. Wirklich beispielhaft!
Nachdem Trainer Thilo Poppke, nach fünf Jahren erfolgreicher Tätigkeit, Anfang 2001 zur Verfügung stellte, versuchten sich einige Nachfolger die Westfalia Damenmannschaft weiterhin als Bezirksligatopteam zu formen. Dies waren u. a. Georg Schumacher und Ralf Schrot.
Mit Tanja Limberg, Daniela Stangrecht, Jana Krontal (Rückkehrerin), Meike ten Cate, Miriam Arndt, Simone Eggert und Christine Rösner konnte der Verein echte Verstärkungen für das Bezirksligateam der Damen finden.
Damen werden Hallenfußball Meister
Im Jahre 2003 konnte die Damenmannschaft, nach dem Aufstieg in die Bezirksliga (1997/98), einen weiteren großen Erfolg einfahren. Die Damen wurden „Hallenkönigin von Dortmund“. In einem spannenden Endspiel konnten die Damen das damalige Verbandsligateam von SG Lütgendortmund in die Knie zwingen und wurden bei der 4. Dortmunder Hallenfußball Stadtmeisterschaft verdient Meister.
(Hier Foto der Hallenmeistermannschaft einfügen. Darunter folgenden Text einfügen:)
Das Meisterfoto zeigt: Trainer Marcus Boeven (2.v.li.) und Co-Trainer Thilo Poppke (re.). Die Siegermannschaft: (oben v. lks.) Monika Stellmacher, Alexandra („Maxi“) Kuhn, Tanja Limberg, Silke Paschedag, Mareike Kirch, Daniela Stangrecki, Nicole Niemann, (unten v. lks.) Jan und Anita Niemann, Yasmin Dökenel, Jana Krontal und Stefanie Vogedes.
Auflösung als Herbstmeister
Die Hinrunde der Saison 2004/05 verlief erfolgversprechend, Mit etlichen Punkten Vorsprung konnte die Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt von Frank Köster trainiert wurde, in die Winterpause einziehen. Dies trotz einiger, auch verletzungsbedingten, ausfällen. Zum Ende der Hinrunde waren nur noch 12 Spielerinnen einsatzbereit, von denen auch noch einige im Schiedsrichterdienst standen. So kam es wie es kommen musste: Kein eigener Nachwuchs und Spielerinnen aus anderen Vereinen waren auch nicht in Sicht. Die Damen sahen keine Perspektive und teilte sich auf andere Vereine auf. So war der Verein gezwungen einen Tabellenführer aus dem Spielbetrieb der Bezirksliga zurückzuziehen.
Ein Hoffnungsschimmer am Horizont
Im Frühjahr 2009 wandte sich Frank Wiesner an den Vorsitzenden, Hans Walter v. Oppenkowski: „Ich habe da so 20 interessierte junge Mädchen die gerne Fußball spielen wollen. Wenige haben schon mal in einer Mannschaft gespielt. Können wir eine Mädchenmannschaft gründen?“ Nach Rücksprache mit dem Jugendleiter, Wolfgang Krüger, gab es dann grünes Licht. Fortan trainierten die Mädchen und führten auch einige Freundschaftsspiele durch um praktische Erfahrungen zu sammeln.
Neue Mädchenmannschaft im 100. Jahr
Im Juni 2009 wurde die Mannschaft dann als B-Jugend Mädchenmannschaft zu Meisterschaftspielen in der 2. Kreisklasse angemeldet. Wie in jede Mannschaft, mit der das fußballerische Können von der Pieke auf erlernt werden musste, wurde viel Arbeit und Zeit in den Aufbau der Mannschaft gesteckt. Zweimal in der Woche wurden 20 Mädchen von Frank Wiesner und Michael Wolff trainiert. Am Anfang der Meisterschaft sowie im Pokal gab es hohe Niederlagen. Doch keiner der Mädchen hat an Aufgeben gedacht, ganz das Gegenteil, sie wollten wirklich viel lernen und legten freiwillige Trainingseinheiten ein. Dann gab es auch die ersten Siege zu feiern. Es war deutlich zu erkennen, dass die Mädchen Interesse und den ernsten Willen hatten das Fußballspielen zu erlernen. An ihrem ehrenamtlichen Engagement konnte erkannt werden, dass sie sich auch gerne für Verein einsetzten. Viele Eltern stellten sich den Mädchen als Fahrdienst zur Verfügung. Bleibt zu hoffen, dass mit diesem Potenzial der Frauenfußball bei Westfälin Wickede neue Früchte trägt.










